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ALOISIUS - vom Fohlen zum Reitpferd

Verladen - aber wie?

Eine neue Lehrstunde stand an; Loisl sollte in einen Pferdehänger verladen werden. Viele ältere Pferde haben damit sogar noch Probleme. Ich will erst mal beschreiben was ich auf einem Klatblutfest in Holzhausen gesehen habe:


Verladen - so nicht!

ähnliche Situation
Eine ähnliche Situation
Dort habe ich eine Familie beobachtet, die so einiges falsch gemacht hat. Sicher, sie hatten es geschafft, das Pferdchen nach Holzhausen zu bringen (wer weiß wie), aber der Rücktransport verlief dann doch anders als gedacht: Die junge Reiterin und ihre Familie schienen schon auf das Schlimmste gefasst zu sein. Sie hatten extra frische Äpfel und einen ganzen Eimer Leckerlis dabei. Der erste Versuch endete schon zwei Meter vor der Laderampe des Hängers. Das Pferdchen, wohl ein Vollblut-Schimmel, ließ sich eigentlich brav überall hinführen, nur nicht in den Hänger! Die Äpfel wurden geteilt und dem Pferdchen vor die Nase gehalten. Es war natürlich hoch interessiert und ließ sich deshalb dazu verleiten einen Huf auf die Laderampe zu stellen. Die Familie fand diesen Fortschritt so groß, dass das Pferdchen die erste Apfelhälfte sofort als Belohnung erhielt. Resultat: Nachdem die Apfelhälfte verzehrt war, legte das Pferdchen mitsamt seiner am Führstrick hängenden Reiterin den Rückwärtsgang ein und stand wieder weit abseits der Laderampe. Die Familie wiederholte das mehrmals, bis alle Äpfel verbraucht waren. Der maximale Erfolg war, dass kurz mal beide Vorderhufe auf der Laderampe standen. Logisch, das Pferdchen hatte gelernt, dass es eine Belohnung erhält, wenn es NICHT in den Hänger geht. Die Familie war entnervt und wollte nun zu drastischeren Mitteln greifen. Eine Longe wurde an der einen Hinterseite des Hängers befestigt und um den Hintern des Pferdchens herumgeführt. Mit viel Zug am Führstrick und noch mehr Zug (zwei erwachsenen Männern) an der Longe sollte das Pferdchen in den Hänger gezogen bzw. geschoben werden. Muttern stand im Hänger und lockte mit den Leckerlis. Das Ergebnis: Das Pferdchen ließ sich auf der Laderampe stehend mit den Leckerlis belohnen und bäumte sich dann so auf, dass auch die beiden Männer an der Longe nichts mehr ausrichten konnten. Laut schreiend und fluchend ließen sie das Pferdchen mit der am Führstrick hängenden Reiterin laufen. Auch dieses Vorhaben wurde mehrmals wiederholt, wobei das Pferdchen jedes mal sofort ein Leckerli bekam, sobald auch nur der gringste Erfolg sichtbar war. Nach einer Stunde zermürbender Schwerstarbeit gaben vier total entnervte und verschwitzte Menschen auf und die junge Reiterin mußte ihr Pferdchen nach Hause reiten. Wer weiß, wie lange ihr Heimweg gewesen sein mochte? Die Ärmste! Aber was für ein schlaues Pferd sie doch hatte: Es hatte 5 Äpfel und einen halben Eimer Leckerlis gefressen, ohne sich den Menschen zu beugen! Nein, Spass bei Seite, das Pferdchen hatte durch die Familie gelernt, dass es für störrisches Verhalten und totale Verweigerung des Hängers fürstlich belohnt wird. – Ja, ich geb´s zu, Fehler bei anderen zu bemängeln ist einfach. Wer weiß welchen Fehleinschätzungen ich selbst unterliege. – Aber, um das Thema abzurunden, folgende Erzählung von Hans, meinem Ausbilder im Fahrkurs: Er hatte eine ähnliche Aktion beobachtet, bei der ein Pferd mit den Vorderhufen auf der Rampe stand, aber nicht einsteigen wollte. Hans trat von hinten an das Pferd heran und ließ einen großen Automatik-Regenschirm aufspringen: Unglaublich wie schnell das Pferd im Hänger war ;-) …


Verladen - Loisl macht´s!

Jetzt war es aber an mir und Loisl zu zeigen was wir konnten. Ich hing den Pferdehänger an mein Auto und stellte ihn so neben die Hauswand, dass eine Flucht in diese Richtung schon mal ausgeschlossen war. Auto und Anhänger wurden mit der Feststellbremse gewissenhaft eingebremst. Die Laderampe habe ich so mit Holzklötzchen unterlegt, dass sie bei Betreten nicht klappern konnte. Im Hänger, der für zwei Pferde ausgelegt ist, war die Zwischenwand eingebaut und ein gut befülltes Heunetz angebracht. Auf die rechte Seite stellte ich ein Pferd von Anja, ich glaube es war die Haflingerstute "Gitti". Loisl wollte ich links daneben stellen. Loisl hatte bis dahin nur SCHLECHTE Erfahrungen mit Pferdehängern gemacht. War es doch ein Pferdehänger, der ihn von seiner geliebten Mutter getrennt und in eine vollkommen fremde Umgebung gebracht hatte (siehe "Heimtransport mit Hindernissen"). Loisl lief brav hinter mir her in Richtung Hänger. Dort angekommen, beäugte er die Laderampe etwas kritisch, auf der ich jedoch schon stand. Ich redete ihm gut zu, lockte ebenfalls mit einem Apfelstück (!) und lobte ihn für das Betreten der Rampe. Ich ging durch den Hänger nach vorne ohne großes Aufhebens zu machen und er folgte mir. Erst als er ganz vorne stand und meine Frau die Stange bzw. den Sperrriegel hinter ihm zugemacht hatte, gab ich ihm mit viel Lob und Streicheln das Apfelstück. Dann bekamen beide, Gitti und Loisl, noch einige Apfelstücke, während der Hänger geschlossen wurde. Gespannt wartete ich auf eine Reaktion. Doch Loisl schaute nur frech durch die Fronttüre heraus und bettelte nach mehr. - Nein, so schaute kein ängstliches Pferd aus. Das war scheinbar geschafft. - Nach ein paar Minuten ließ ich erst Gitti und dann ihn wieder heraus. Auch das Rückwärts-Aussteigen ging recht gut, ich war echt überrascht. Wichtig war, dass er mit dem Hänger etwas Positives verbindet, und was gibt es schon besseres, als etwas leckeres zu fressen? Beim nächsten mal werde ich mit ihm eine kleine Runde fahren, damit er sich auch daran gewöhnt. Ich werde berichten…


Eine kleine Runde im Hänger!

Leckerlis nach dem Einsteigen
Mehr Leckerlis !!
Es ist über ein Jahr vergangen. Mittlerweile ist es Spätherbst, neblig und saukalt. Trotzdem bin ich mit meiner Frau nach Piding um Loisl zu besuchen und die neue Anhängerkupplung des Grand Cherokee auszuprobieren. Ganz lehrbuchmäßig habe ich den Hänger parallel an die Wand rangiert. Unter die Klappe musste ich Holzstücke legen, damit sie beim Draufsteigen nicht so laut klapperte. Ich wollte Loisl ja nicht schon auf der Rampe vergraulen. Leider habe ich kein Heunetz gefunden, dabei ist es doch so wichtig, dass sich die Pferde im Hänger mit Fressen beschäftigen können. Also habe ich mit einem Heustrick ein Bündel Heu zusammengebunden, so dass nicht alles auf Anhieb herausgerupft werden konnte und in den Hänger gehängt. Schon am Morgen hatte ich Gelberübenstücke geschnitten, die als Belohnung eine positive Erinnerung bei Loisl hinterlassen sollten. Wir öffneten noch die Sperrriegel und somit war der Hänger bereit zum Einladen.
Wir holten Julinka und Loisl von der bazigen Weide und mussten die beiden entsprechend lange putzen. Scheinbar hatten die beiden "Schnitzel" gespielt und sich komplett paniert ;-) . Dann ging es los Richtung Hänger. Da wir nur zu zweit waren, musste ich Loisl erst mal am Hänger festbinden. Ich stellte ihn so hin, dass er beim Einladen von Julinka zuschauen konnte. Meine Frau führte Julinka ohne größere Probleme auf den rechten Platz, ich schloss den Sperrriegel, sie band Julinka fest. Nun war Loisl dran. Ich ging voraus über die Rampe und Loisl folgte mir, auf der Rampe blieb er stehen und schaute mich fragend an. Ich drehte mich zu ihm und lockte ihn mit "komm, komm!" und "is guuut!". Als er losging drehte ich mich wieder nach vorne, was er zum Anlass nahm wieder stehen zu bleiben. Ich drehte mich um und krahmte verheißungsvoll in meiner Jackentasche herum. Loisl wusste, dass da etwas leckeres drin war und kam mit in den Hänger. Schon während meine Frau den Sperrriegel zumachte gab ich ihm ein Stück Gelberübe und band ihn dann fest. Mit viel Lob und noch mehr Leckerlis stieg ich aus dem Hänger. Nach einer Weile schlossen wir die hintere Klappe. Julinka kannte das alles inn- und auswendig. Ihre Ruhe übertrug sich auf Loisl, der das ganze Prozedere somit für das Normalste von der Welt hielt. Ich schloss für kurze Zeit die vordere Tür; - kein Geräusch von drinnen. Ich öffnete wieder und belohnte die beiden sofort. Dann ließ ich den Motor des Grand Cherokees an und meine Frau übernahm das Belohnen. Nun war es so weit, wir schlossen abermals die Tür und ich fuhr vorsichtig los. Die Automatik des Grand Cherokee zog butterweich an und das Gespann rollte vom Hof auf die Straße. Wir fuhren nur eine kleine Runde über Jechling und zum Hof zurück, dabei blieben wir aber drei mal stehen, um nach dem Rechten zu sehen und Leckerlis zu verteilen. Ich denke das hat den Pferdchen sehr gut gefallen, "Ausflug im Speisewagen mit Vollpension", auf jeden Fall schauten die beiden frech nach Mehr bettelnd aus dem Hänger als wir im Hof zurück waren. Loisl sollte als Erster ausgeladen werden. Als er merkte, dass die hintere Klappe geöffnet wurde, begann er nach draußen zu schieben. Klar, da waren wir und wir hatten die Leckerlis. Ich ging nach vorne zur Tür und sofort wollte Loisl wieder in meine Richtung. Also Angst war das definitiv nicht, sondern reine Futtergier. Mir war schon klar, dass Loisl durch diese Aktion wieder zum nervigen Bettler wurde, aber das konnte ich ihm auch wieder abgewöhnen. Im Augenblick war nur wichtig, dass der Hänger als etwas Positives bei ihm abgespeichert wurde. Als der Sperrriegel offen war, musste ich mit dem Kommando "zuuurückkk!" etwas an Loisls Brust schieben, damit er kapierte, dass er aus dem "Speisewagen" aussteigen sollte. Er tat das dann auch problemlos, da ich das Kommando ja oft genug mit ihm geübt hatte. Für Julinka war das natürlich alles langweilig. Sie war aber auch hier wieder als "Lehrmeister" für Loisl sehr wichtig. Beim nächsten mal versuche ich das mit Loisl allein. Ich bin gespannt, ob er da genauso brav sein wird...

Bitte aussteigen!

Aussteigen! "Nein, wir wollen mehr Leckerlis!"



Nach dem Holzrücken

Nach der Arbeit

Nach dem Holzrücken


Nachtrag:
Jetzt noch ein kleiner Nachtrag zum Thema Verladen: Es geht immer leichter! Loisl ist jetzt fast 4 Jahre alt und nach getaner Holzrücke-Arbeit im Wald geht er ganz allein in den Hänger, hauptsache er hat jetzt Feierabend und es geht wieder heimwärts!



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